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Überarbeiteter und aktualisierter Artikel vom 05.11.2019

 

Die sieben Säulen einer gesunden Ernährung

von Henning Müller-Burzler


Die große Bedeutung einer gesunden Darmflora

Für eine gesunde Ernährung gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Empfehlungen. Unabhängig von der Art der Ernährung kann diese nur dann gesund sein, wenn sie die Mindestbedingungen für eine gesunde Darmflora erfüllt. Denn kein Mensch kann dauerhaft gesund bleiben, wenn er eine kranke Darmflora mit einem zusätzlichen Befall von Dünn- und Dickdarmpilzen hat.

Die wichtigsten krankmachenden Pilzstämme sind im Dünndarm der Mucor racemosus und die höher entwickelten Stadien des Aspergillus niger und im Dickdarm die verschiedenen Candidapilze. Alle Pilzstämme können grundsätzlich ins Blut übertreten und über das Blut alle Organe und Körperbereiche befallen.
Mucor racemosus: Der Mucor racemosus kann unter anderem an der Entstehung von Arteriosklerose, Krampfadern, grauem Star und Haarausfall beteiligt sein.
Aspergillus niger: Die höheren Entwicklungsstadien des Aspergillus niger können eine wichtige Ursache für Arthritis, Arthrose und rheumatischen Erkrankungen sowie an der Entstehung von Krebs beteiligt sein.
Candidapilze: Die Candidapilze sind häufig haupt- oder mitverantwortlich für Kopfschmerzen und Migräne, Rücken- und Nackenverspannungen, Ischialgien und Lumbalgien, Hautpilze und depressive Verstimmungen.

Eine gesunde Darmflora verhindert die Vermehrung und Ausbreitung von krankmachenden Bakterien und Pilzen im Darm. Das bedeutet, dass bei Einhaltung entsprechender Voraussetzungen automatisch eine gesunde Darmflora entsteht und krankmachende Darmbakterien und Darmpilze dadurch überwunden werden. Auf diese Weise können schwere Darmpilzerkrankungen erfahrungsgemäß innerhalb von zwei Wochen völlig verschwunden oder zumindest so weit reduziert sein, dass sie keine Beschwerden mehr verursachen.

Eine gesunde Darmflora hält jedoch nicht nur das Wachstum von krankmachenden Darmbakterien und Darmpilzen in Schach, sondern steht auch in einer engen Beziehung zum Immunsystem und ist für die Bildung von lebenswichtigen Vitaminen, wie Vitamin K, Biotin und anderen B-Vitaminen, und dem Enzym Phytase verantwortlich. Phytase spaltet Phytinsäure und macht sie dadurch unwirksam. Eine kranke Darmflora bildet entweder weniger oder keine Phytase mehr. Phytinsäure kommt vor allem in Getreide und getreideähnlichen Samen, Nüssen und Ölsamen und Hülsenfrüchten vor und verschlechtert die Resorption von Calcium, Magnesium, Eisen, Zink und teilweise auch Kupfer im Darm durch eine Komplexsalzbildung. Durch die Aufspaltung von Phytinsäure kann die Verwertung diese Mineralstoffe deutlich verbessert werden.

Um eine derart gesunde Darmsituation zu erreichen, müssen neben einer gesunden Verdauungsleistung des Magens und der Bauchspeicheldrüse ein paar Ernährungsregeln eingehalten werden. Ein Teil davon ist seit einigen Jahrzehnten bekannt. Der andere Teil wurde von mir in den 1980er und 1990er Jahren entdeckt und erforscht. Seitdem gebe ich dieses Wissen in meiner Praxis, auf meinen Seminaren und in meinen Büchern weiter. Werden diese Ernährungsregeln missachtet, führt dies immer zu Darmflorastörungen und Darmpilzen und langfristig auch zu Stoffwechselstörungen und Krankheiten.

1. Raffinierter Zucker: der stärkste Darmflora-Killer

Der Verzehr von raffiniertem Zucker (Saccharose) und seinen Nebenprodukten, wie reiner Traubenzucker (Glucose) und Fruchtzucker (Fructose), sowie von allen auskristallisierten weißen und braunen Zuckerarten führt immer zu einer Schwächung und Erkrankung der Darmflora. Es gibt keine anderen Nahrungsmittel, die für die Darmflora so schädlich sind, wie diese isolierten und auskristallisierten Zuckerarten. Warum die Darmbakterien so sensibel auf diese unnatürlichen Zuckerarten reagieren, kann bis heute nicht eindeutig beantwortet werden. Es ist jedoch eine seit Jahrzehnten erfahrungswissenschaftlich bewiesene Tatsache.

Weil zu diesen für unsere Darmflora schädlichen Zuckerarten auch der weiße und braune Rohrohrzucker (auskristallisierter und teilweise gewaschener Zucker aus Zuckerrohr) sowie der weiße und braune Rohzucker (auskristallisierter und teilweise gewaschener Zucker aus Zuckerrüben) gehören, sind davon auch viele Produkte betroffen, in denen diese Zuckerarten enthalten sind. Der Verzehr dieser Nahrungsmittel führt daher zu denselben Darmflorastörungen wie der Kontakt von raffiniertem Industrie- beziehungsweise Haushaltszucker mit den Darmbakterien. Die Aufnahme von nur wenigen Gramm raffiniertem Zucker oder Rohrohrzucker pro Tag reichen bereits aus, dass die Darmflora erkrankt.

Nicht betroffen von derart negativen Auswirkungen auf die Darmflora sind alle naturbelassenen Zuckerarten. Dazu gehören unter anderem echter Honig, Vollrohrzucker (getrockneter Zuckerrohrsaft), Vollzucker (getrockneter Zuckerrübensaft), Kokosblütenzucker und alle eingedickten natürlichen Frucht- und Pflanzensäfte, wie Ahornsirup, Agavendicksaft, Zuckerrübensirup, Dattelsirup, Apfeldicksaft und Birnendicksaft.

2. Vollkorngetreide plus raffinierter Zucker ist gleich Gift

In der zweiten Ernährungsregel geht es ebenfalls um die raffinierten und auskristallisierten weißen und braunen Zuckerarten, und zwar in Kombination mit Lebensmitteln, die sich nicht mit ihnen im Magen-Darm-Trakt vertragen. Dazu gehören alle ungeschälten Samen, insbesondere Vollkorngetreide, getreideähnliche Samen, Hülsenfrüchte, Nüsse und Ölsamen, sowie deren vollwertige Produkte.

Beim Verzehr von Mahlzeiten und Produkten, in denen derartige Kombinationen vorkommen, entstehen im Verdauungstrakt nicht nur mehr oder weniger starke bioelektrische Spannungen, die für Unwohlsein, Blähungen, Bauchschmerzen oder Sodbrennen verantwortlich sein können, sondern auch starke Darmflorastörungen. Letztere können dann noch stärker ausgeprägt sein, als wenn die raffinierten oder auskristallisierten Zuckerarten für sich allein oder mit weniger zuckerempfindlichen Lebensmitteln verzehrt werden.

Eine Weißmehlsemmel mit konventioneller Marmelade oder ein Weißmehlkuchen mit raffiniertem Zucker sind zwar keineswegs gesund, sie schädigen die Darmflora jedoch wesentlich weniger als die Kombinationen von raffiniertem Zucker mit Vollkorngetreide oder Nüssen und Ölsamen.

3. Krank durch Vollkorngetreide mit Fleisch, Fisch und Eiern

Vollkornprodukte sind gesund. Ebenso enthalten Fleisch, Fisch und Eier wertvolle Inhaltsstoffe. Nehmen wir Vollkorngetreide jedoch gemeinsam mit Fleisch, Fisch oder Eiern in einer Mahlzeit zu uns, entstehen, je nach der verzehrten Menge, dieselben Darmflorastörungen und Darmpilze, wie durch den Verzehr von raffiniertem Zucker oder Rohrohrzucker. Darüber hinaus erzeugen diese Kombinationen ebenfalls bioelektrische Spannungen im Magen-Darm-Trakt. Dasselbe gilt für den Verzehr von Hülsenfrüchten und Nüssen und Ölsamen mit Fleisch, Fisch und Eiern.

Aus diesen Gründen sollte man Fleisch, Fisch und Eier ausschließlich mit Gemüse, Salaten und Kartoffeln oder Obst sowie mit Milchprodukten und Ölen und Fetten verzehren. Gemeinsam mit Weißmehlnudeln, geschältem Reis oder hellen Brotsorten aus ausgemahlenen Mehltypen (405er- bis 1050er-Mehl) sind diese Kombinationen zwar weniger darmfloraschädigend, gesund sind solche Mahlzeiten vor allem wegen ihrer übersäuernden Eigenschaften aber nicht.

4. Darmpilze durch Getreide und Gemüse mit sauren Früchten

Wer bereits keinen raffinierten Zucker oder Rohrohrzucker mehr isst und auch die Kombinationen von Vollkorngetreide mit Fleisch, Fisch und Eiern in derselben Mahlzeit meidet, kann dennoch einige Fehler in der Ernährung machen. Es gibt nämlich noch weitere Kombinationsfehler, wodurch man ebenfalls starke Darmflorastörungen und bioelektrischen Spannungen im Magen-Darm-Trakt bekommen kann.

So vertragen sich alle Lebensmittel, die viel Stärke enthalten, und alle Gemüsearten nicht mit sauren Früchten in derselben Mahlzeit. Davon betroffen sind alle Getreidearten, getreideähnlichen Samen und Hülsenfrüchte sowie Maronen und alle Gemüse- und Salatsorten, inklusive Kartoffeln, Kräuter und Pilze. Diese Lebensmittel und deren Produkte, wie Säfte und Smoothies, sollten daher nicht mit fruchtsäurereichen Früchten oder Fruchtsäften zusammen verzehrt werden.

Möchte man Getreide oder getreideähnliche Samen mit Obst kombinieren, zum Beispiel in einem Müsli oder Kuchen, sollten dafür ausschließlich fruchtsäurearme, süße Früchte, wie Datteln, Feigen, Birnen, Bananen oder Sultaninen, verwendet werden.

Salate macht man aufgrund dieser Ernährungsregel nicht mit Zitronensaft, sondern mit Essig an, am besten mit Branntwein-, Reis- oder Weinessig. Apfel- beziehungsweise Obstessig ist in Kombination mit Gemüse weniger empfehlenswert. Denn Essigsäuren vertragen sich wesentlich besser mit Getreide, Hülsenfrüchten und Gemüse in einer Mahlzeit als größere Mengen an Fruchtsäuren.

5. Darmflorastörungen durch rohes Getreide und rohe Nüsse mit Salz

Neben diesen schon etwas bekannteren Ernährungsregeln gibt es noch eine fünfte weniger bekannte Regel, die ebenfalls von großer Bedeutung für eine gesunde Darmflora und die Gesundheit ist. Es handelt sich dabei um die schlechte Verträglichkeit von rohen Samen mit Salz.

So vertragen sich alle rohen Samen im ungekeimten und gekeimten Zustand nicht mit natriumhaltigen Salzen, wie normalem Stein-, Meer- und Kochsalz und Natron (Natriumhydrogenkarbonat) im Verdauungstrakt. Diese Regel betrifft alle rohen Getreidearten und getreideähnlichen Samen, alle rohen Nüsse und Ölsamen und alle anderen rohen Samen, unter anderem rohe Senfsamen. Die Kombination von Salz mit diesen Lebensmitteln kann, je nach den verzehrten Mengen, ebenfalls starke Magen-Darm-Störungen mit entsprechenden Darmfloraerkrankungen und Darmpilzen verursachen.
     Rohe Hülsenfrüchte, inklusive deren Keimlinge und Sprossen, gehören zwar ebenfalls dazu, da sie im rohen Zustand aber mehrere giftige Substanzen enthalten, sollten sie immer im gekochten oder gebackenen Zustand verzehrt werden.

Alle ausreichend erhitzten Samen und deren ausreichend erhitzte Produkte, wie durchgebackenes Brot oder ausreichend lange gekochte Nudeln, vertragen sich hingegen sehr gut mit Salz im Verdauungstrakt.

6. Weitere Voraussetzungen für eine gesunde Ernährung: Salz und hochwertiges Eiweiß

Neben diesen fünf Grundregeln gibt es noch eine Menge weitere Voraussetzungen für eine gesunde Ernährung. Bezüglich der Inhaltsstoffe sollte vor allem auf eine ausreichende Salzzufuhr und auf genügend hochwertiges Eiweiß geachtet werden.

Salz (Natriumchlorid) ist nicht nur für einen gesunden Zellstoffwechsel von großer Bedeutung, sondern auch für die Magensäurebildung notwendig. Denn die Chloridionen des Natriumchlorids, die in den meisten ungesalzenen pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln in der Regel nicht in ausreichenden Mengen vorkommen, sind ein wichtiger Bestandteil der Magensäure (Salzsäure, HCl). Wird zu wenig Salz mit der Nahrung aufgenommen, sinkt die Magensäurebildung allmählich ab, wodurch eiweißreichere Lebensmittel zunehmend schlechter verdaut werden.
     Kann das mit der Nahrung aufgenommene Eiweiß nicht mehr ausreichend von der Magensäure verdaut werden, liegt die Nahrung nicht nur schwerer und länger im Magen, sondern das unverdaute Eiweiß beginnt auch verstärkt im Darm zu faulen. Die Folgen sind verdauungsbedinge Darmflorastörungen und Darmpilze sowie mehrere Magen-Darm-Beschwerden, wie Blähungen, weiche, stärker riechende Stühle bis hin zu Durchfällen oder hartnäckigen Verstopfungen.
     Der Tagesbedarf von Salz liegt für Erwachsene bei normalen Ernährungs- und Lebensweisen bei 3 bis 5 g.

Genügend hochwertiges Eiweiß ist deshalb notwendig, weil alle Körperfunktionen, inklusive das Immunsystem, von einer ausreichenden Eiweißmenge im Blut abhängig sind. Wird für längere Zeit zu wenig Eiweiß mit der Nahrung aufgenommen, nimmt dadurch nicht nur die Muskelmasse kontinuierlich ab, sondern auch die Funktionen der Verdauungsorgane können dadurch mit der Zeit nachlassen. So kann es infolge eines länger andauernden Eiweißmangels zu einer Verringerung der Verdauungssaftbildung des Magens und der Bauchspeicheldrüse mit entsprechenden Magen-Darm-Beschwerden, Darmflorastörungen und Pilzerkrankungen kommen.

Auch wenn die meisten Menschen in Europa wegen einer ausreichenden Zufuhr von tierischen Eiweißquellen keinen Eiweißmangel haben, findet man diesen bei unausgewogenen vegetarischen Ernährungsweisen häufiger. Vor allem Veganer, Laktovegetarier und Rohköstler sollten daher auf eine ausreichende Zufuhr von hochwertigem Eiweiß achten (siehe den Artikel „Vorsicht vor einem Eiweißmangel").

7. Krank durch eine Verdauungsschwäche

Trotz Beachtung und Einhaltung der bisher beschriebenen Erkenntnisse gibt es zunehmend mehr Menschen, die unter mehr oder weniger starken Verdauungsbeschwerden, Darmflorastörungen und Darmpilzen, Allergien, Lebensmittelunverträglichkeiten und vielen weiteren Symptomen und Körperstörungen leiden. Eine der wichtigsten Ursachen dafür ist eine geschwächte Verdauungsleistung des Magens und der Bauchspeicheldrüse, wodurch die verzehrte Nahrung nicht mehr richtig verdaut werden kann und verstärkt im Darm zu faulen und gären beginnt.

Grundsätzlich gilt die Regel: Die gesündeste Nahrung wird im Darm zu Gift, wenn sie nicht richtig verdaut werden kann. Aus diesem Grund sind eine gesunde Verdauungsleistung des Magens und der Bauchspeicheldrüse sowie eine gesunde Gallenbildung in der Leber von primärer Bedeutung für die Gesundheit.

Die wichtigsten Ernährungsregeln im Überblick

  • Nehmen Sie so wenig raffinierten Zucker, Rohrohrzucker und andere auskristallisierte Zuckerarten wie möglich auf.

  • Vermeiden Sie die Kombinationen von raffiniertem Zucker und Rohrohrzucker mit Vollkorngetreide, Nüssen und Ölsamen, Hülsenfrüchten oder deren vollwertigen Produkten in derselben Mahlzeit.

  • Essen Sie Fleisch, Wurst, Fisch und Eier nicht mit Vollkorngetreide, Nüssen und Ölsamen, Hülsenfrüchten oder deren vollwertigen Produkten in einer Mahlzeit.

  • Kombinieren Sie Getreide, Hülsenfrüchte und Gemüse nicht mit sauren Früchten oder deren Säften.

  • Essen Sie rohes Getreide und rohe Nüsse und Ölsamen nicht zusammen mit Salz oder salzhaltigen Lebensmitteln.

  • Für eine optimale Magensäurebildung benötigen Erwachsene 3 bis 5 g Salz pro Tag. Nehmen Sie genügend hochwertiges Eiweiß mit der Nahrung auf.

  • Sorgen Sie für eine gesunde Verdauungsleistung des Magens und der Bauchspeicheldrüse. Sie ist die Wurzel unserer Gesundheit.

Darüber hinaus sollten Sie auf eine ausgewogene und vitalstoffreiche Nahrung achten und sie möglichst gut kauen. Denn „gut gekaut ist halb verdaut".

Ausführlich und mit vielen praktischen Tipps werden die in diesem Artikel angesprochenen Themen in den Büchern "Die Grundregeln der Methusalem-Ernährung - für einen gesunden Darm und ein starkes Immunsystem" und "Die Nährstoff-Geheimnisse der Methusalem-Ernährung" beschrieben.